Angsthäschen will ganz nach oben

Ich war nie besonders gut im Sportunterricht.

Etwas tapsig und ungeschickt.

Mein Leben in der Vergangenheit war eher ungesund.

Was ein junger Mensch so sündigt.

Junk Food, Alkohol, Nächte um die Ohren gehauen.

 

Was hinzukommt, ist große Höhenangst.

Im gläsernen Aufzug kam mir das Zittern- je höher er raufschoss.

Im Flugzeug- kein richtiger "Boden unter den Füßen", in höhen Häusern aus dem Fenster schauen- alles fängt sich zu drehen an.

Immer wieder erkannte ich, wie mich Angst und Feigheit schwach machten.

Disziplin kannte ich wenig- war eher ein dünner Storch im Salat.

Sport war müsam, laufen und schwitzen, das macht doch kein Mädchen- Parfum und Lippenstift war interessanter- und die Frisur nicht zu vergessen.

 

Irgendwie wollte ich plötzlich nicht mehr so unreif oder oberflächlich sein.

Ich setzte mich auseinander mit meiner Angst- und traute mich auf den Skywalk hohe Wand.

Ich zitterte beim Auftreten und klammerte mich ans Geländer- das war gruselig.

Ich sah unter mir Kletterer in der senkrechten Wand- da hat es mich gepackt- und ich konnte nicht mehr aufhören zu denken. Bis ich eines Tages auch auf den Berg ging und anfing... ich weiß es noch genau- es war auf der Völlerin.

...so kam ich zum Bergsteigen.

 

 

 

In hohe Höhen? Ich? Niemals...

Nach steilen Wanderungen und Klettersteigen und Versuchen von alpinen MSL wollte ich endlich mal etwas "Großes" ausprobieren. Und fand den Kilimandscharo.

 

Kilimandscharo 2018

Wie lange ich darüber nachdachte.

Alleine reisen- ich kannte das vorher nicht. Was hatte ich für Bedenken.

Welche Leute werde ich dort treffen und wie wird das, mit ihnen aufzusteigen in so hohe Höhe?

Wie wird die Luft und wird meine Kondition ausreichen? Werde ich schlafen können und wie wird es in den Camps?

 

Aus heutiger Sicht sage ich, es war eine wunderschöne und bewegende Tour, die Höhe war ok, es war am Gipfeltag sehr kalt und ungewöhnlich viel Schnee, und ja, ich musste paar Mal kotzen und hatte Höhenkopfschmerz.

Aber bis aus den schweren Gipfeltag war die Tour für mich recht leicht.

Und ich weiß, ich werde zurückkommen zum Kili- wenn auch in anderer Mission :)

Alpines Bergsteigen- kein Ponyhof...

Ortler

Der Ortler- ein Anfang der alpinen Bergsteigerei?

Nach dem Kilimandscharo interessierte ich mich, wie es wohl ist, mit Steigeisen und Pickel auf Gletscher und Eis zu steigen.

Ich machte einen 5-tägigen Eiskurs, um mir die Techniken aber auch die Bergungstechniken anzueignen.

Wie schwer war es bitte, einen jungen Mann mit Flaschenzug aus einer Spalte zu bergen?!

Wie anstrengend, sich mit Prusik an einer senkrechten Mauer hochzuziehen?

 

Und bitte nicht sagen- das sei nicht notwendig- denn es ist mir schon in der "freien Wildbahn" auch passiert- ein schrecklicher Spaltensturz. Wie dankbar ich war, dass ich mich in meiner Panik an so manches aus dem Kurs erinnern konnte.

 

Der Ortler war meine erste hochalpine Tour. Und bisher meine schönste. Es folgten Klassiker wie Großglockner oder Wildspitze.

Ready 4 Everest? ;) "jaja...angeblich"

...so schimpfte sich diese Mutprobe, welche für mich wahrlich eine war.

Acht 4000er in einer Woche- vom Gran Paradiso über die Vincentpyramide zur Signalkuppe.

Konditionell war es ein nicht so schweres Unterfangen, aber Mann, hatte ich Angst.

Grate, steile Eisflanken- und bääääääng- ein miserabler Spaltensturz. Diese zog mich psychisch sehr runter und ich zweifelte den Rest der Tour sehr an mir und war recht zittrig unterwegs.

Aber aufgeben tut man nur einen Brief.

Ich schloss diese Prüfung auch ab. Und ging stärker raus als zuvor.

Mein erstes Mal im Himalaya- ein Ringen nach Luft

Wie immer- ganz aufgeregt- packte ich zwei Wochen lang mein Bergequipment aufs kleinste Packmaß.

Meine neuste Kuriösität- die Scarpa Phantom 8000. Was sind das nur für Kästen?!

Ich versuchte mich von Paphlu über den Mera Peak über den Mera La nach Lukla.

Alleine das Fliegen war ein echter Wahnsinn- meine frühere Flugangst wollte wieder zurückkehren.

Aber ich schluckte die runter.

 

Das war einer der "höchsten Trekkinggipfel" der Welt- ich war eigentlich immer vorne dabei.

Am Gipfeltag hatte ich allerdings keinen so guten Tag und schaffte es "nur" zum Nebengipfel. Ich sage, es gilt auch ;)

Zukunftsträume?

Habe ich viele- u.a. die 55-60° steilen Eiswände des Alpamayo, den Huascaran und meinen ersten 8000er, den Broad Peak.. aber man wird sehen... mein Leben ist noch lange. Das wichtigste ist, dass man Neugierig ist, sich umsieht, und sich vieles zutraut. Aber nicht alles... aber vielleicht irgendwann einen Skyrun auf den Kilimandscharo- ich komme wieder, das habe ich ja gesagt ;)